Will Katherina Reiche die Erneuerbaren beerdigen?
Wie gefährlich dieser Weg ist, zeigt die aktuelle Situation: Unterbrechung der Lieferketten, Störanfälligkeit durch mögliche Terrorakte und zu schleppender Ausbau der Netze, die weitgehend in Auslandshand sind.
Welche Konsequenzen eine solche verfehlte Energiepolitik haben, zeigen wir am Beispiel der Energieversorgung im ländlichen Raum.
Wirtschaftsministerin Reiche plant, die Förderung neuer und kleinerer privater PV-Anlagen einzustellen. Begründung: Durch die gesunkenen Anschaffungskosten würden sich bei einem hohen Eigenverbrauchsanteil die Anlagen wirtschaftlich tragen. Frau Reiche ignoriert allerdings, dass viele Eigenheimbesitzer die Anschaffungskosten ohne Förderung erst einmal gar nicht stemmen könnten – und sie sagt auch nicht, innerhalb welchen Zeitraums sich die Solaranlagen angeblich rechnen.
Erstaunlich auch eine andere Aussage, die in den Medien gestreut wird: Durch die Einspeisung von nicht eigengenutztem Strom aus privaten PV-Anlagen würden Netze überlastet.
Frau Reiche profiliert sich anscheinend als Hüterin des liberalen Grals, wenn sie sagt: „Wir greifen nicht mehr in den Heizungskeller ein und überlassen die Entscheidung wieder den Hausbesitzern und Vermietern...Es steht der Politik nicht zu, den Leuten zu erklären, was gut oder schlecht ist. Das liegt in der Eigenverantwortung der Bürger“. Soso – Klimaschutz ist jetzt also eine „Privatangelegenheit“?
Statt Erneuerbarer empfiehlt Frau Reiche moderne Gasheizungen, Hybridsysteme oder Pelletheizungen. Gas macht uns abhängig von nicht verlässlichen Lieferanten (wie gerade zu erleben ist) und ist klimaschädlich, und Letztere werden als „erneuerbar“ gepriesen – unabhängig davon, dass ein Baum um ein Vielfaches schneller im Ofen verbrannt ist als er gewachsen ist.
Im ländlichen Raum werden in den nächsten Jahren vermehrt Kommunale Wärmeplanungen durchgeführt. Die Samtgemeinde Hanstedt hat im Jahr 2025 als eine der ersten kleinen Kommunen in Niedersachsen eine Kommunale Wärmeplanung durchgeführt mit dem Ziel, die gesetzlich geforderte Klimaneutralität bis 2040 (2045) zu erreichen. Im Ergebnis kommt für den ländlichen Raum nur die Wärmepumpe infrage. In den meisten Fällen besteht kein Fernwärmenetz, und die bestehenden Gasleitungen können für Wasserstoff (wenn er überhaupt kostengünstig und in der Menge käme) nicht genutzt werden. Blockheizkraftwerke scheiden in den meisten Fällen aus.
Eine dezentrale Energieversorgung – wie über PV-Anlagen auf dem Dach in Verbindung mit einer Wärmepumpe und einem Speicher – ist klimafreundlich, preiswert und verlässlich; und noch mehr: sie schont das Netz und ist kaum anfällig für Angriffe – auch das muss man heute berücksichtigen!
Und jetzt kommt die perfide Schlussfolgerung: Private PV-Anlagen könnten in Verbindung mit Speichern den Strom für die privaten Wärmepumpen liefern – sie sollen aber nicht mehr gefördert werden. Und damit erzwingt Frau Reiche gerade für den ländlichen Raum das Verharren auf fossilen Brennstoffen und fragilen Abhängigkeiten. Was sagt man dazu?